Ängste – Phobien
Angst ist eine natürliche menschliche Reaktion und dient zum Selbstschutz bei Bedrohung und hat in diesem Bereich eine nützliche Funktion. Wenn jedoch das Angstgefühl zu massiv wird, lähmend wirkt, länger andauert und je weniger ein Grund erkennbar ist, desto eher handelt es sich um eine Angststörung.
Eine Angststörung tritt scheinbar ohne Grund auf, kehrt immer wieder und ist übermäßig. Die Betroffenen entwickeln Angst vor und in Situationen, die objektiv betrachtet gar nicht gefährlich sind. Die Angst tritt in Zusammenhang mit Reaktionen im Körper, im Denken und im Verhalten, wie z.B. Herzrasen, Atembeschwerden, innere Unruhe, Kälteschauer, Schwindelgefühle etc. auf. Auch besteht eine Furcht davor, dass eines Tages ihre Angst unerträglich stark wird oder nicht mehr aufhören könnte. Man hat oft Angst vor der Angst.
Als Vermeidungsstrategie beginnt man nun der Angst auslösenden Situation aus dem Weg zu gehen, dieses Verhalten oftmals das soziale Leben auf Dauer jedoch immer mehr einschränkt.
Die Ursachen für eine Angststörung können vielfältig sein z.B. innerseelische Konflikte, ängstliche Eltern, traumatische Erlebnisse, biologische Anlagen etc.
Ängste und Phobien können grob in folgende Gruppen unterteilt werden:
* Panikstörungen
* Generalisierte Angststörungen
* Phobien
Panikstörungen:
Bei einer Panikstörung treten wiederholt Attacken auf, die nicht auf ein Objekt oder eine spezifische Situation bezogen sind, sie kommen wie aus heiterem Himmel und sind nicht vorhersagbar. Innerhalb kürzester Zeit steigert sich das Angstgefühl zu ihrem Höhepunkt.
Begleitet wird eine Panikattacke von Reaktionen wie
* Unsicherheit
* Angst vor Kontrollverlust
* Schwindelgefühl
* die Angst zu sterben
* Schweißausbrüche
* Atemnot
* Herzrasen, Ohnmachtsangst
* Zittern, Schüttelfrost
Eine Panikattacke dauert meist zwischen 5 und 30 Minuten und wird als Zustand intensiver Angst beschrieben.
Die Betroffenen entwickeln eine Erwartungsangst vor der nächsten Attacke und leiden in der Folge an sozialem Rückzug und Isolation. Menschen, die sehr selbständig waren, können von Angehörigen und Freunden plötzlich so abhängig werden wie kleine Kinder (z.B. wollen sie aus Angst vor einer Panikattacke nicht mehr alleine zu Hause bleiben etc.).
Zwischen den Attacken liegen weitgehend angstfreie Zeiträume. Eine nicht bewältigte Panikstörung führt oft zu Agoraphobie, depressiven Erschöpfungszuständen, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.
Wie entstehen Panikstörungen?
Die erste Panikattacke tritt meist nach einer länger andauernden psychosozialen Belastungssituation auf (Todesfall, Trennung, berufliche oder familiäre Probleme, Schulden, drohende Arbeitslosigkeit etc.). Konkret und massiv taucht sie aber oft erst nach der so genannten „abfallenden Stressphase“ auf, also in einer Entspannungssituation (z.B. beim Stadtbummel, beim Autofahren etc). Deshalb bringen die Betroffenen die Panikattacke meist nicht in Verbindung mit den belastenden Problemen und können sich die Ursache nicht erklären.
Menschen mit Panikattacken leiden ständig an der Angst vor einer weiteren Panikattacke (die Angst vor der Angst) und neigen daher zu einer verstärkten Aufmerksamkeit in Bezug auf ihre körperlichen Reaktionen, sie registrieren jede kleine Veränderung der Befindlichkeit und bewerten dies als Anzeichen einer drohenden Attacke. Dies begünstigt aber erst recht das Auftreten einer neuerlichen Panikattacke.
Bei Panikstörungen kommt es zu einem „Teufelskreis der Angst“, d. h. eine Selbstverstärkung von Angstsymptomen. Viele Bereiche des Menschen (Muskeln, Organe, Nervensystem, Gehirn, Psyche) sind an der Angst beteiligt und beeinflussen sich gegenseitig. Bei einer Panikstörung schaukeln sich diese Teile gegenseitig so auf, bis eine Panikattacke ausgelöst wird. Der Teufelskreis kann an mehreren Stellen ausgelöst werden.
Panikattacken sind wichtige Warnsignale von Psyche und Körper, dass es so nicht weitergehen kann, sich mit den Symptomen auseinanderzusetzen und sein Leben zu verändern.
Generalisierte Angststörung:
Bei einer generalisierten Angststörung handelt es sich um eine lang anhaltende Angst, die nicht nur auf eine bestimmte Situation oder Objekt begrenzt ist. Es bestehen unkontrollierbare Sorgen und Befürchtungen in Bezug auf alltägliche Ereignisse und Probleme und man kann sich nur kurzfristig von dieser Angst ablenken oder sich davon distanzieren.
Folgende Symptome sind bei einer generalisierten Angststörung zu beobachten:
* Sorgen über ein zukünftiges Unglück (z.B. jemand könnte verunglücken, krank
werden, in finanziellen Notstand geraten, etc.)
* Nervosität und Übererregbarkeit in Anbetracht der unkontrollierbaren Befürchtungen
* Schweißausbrüche
* Herzrasen, Herzklopfen
* Zittern
* Mundtrockenheit
* Atembeschwerden
* Beklemmungsgefühl
* Übelkeit
* Schwindelgefühl, Benommenheit
* Angst vor Kontrollverlust oder verrückt zu werden
* Hitzewallungen oder Kälteschauer
* Muskelverspannung
* Ruhelosigkeit, Unfähigkeit sich zu entspannen
* Kloßgefühl im Hals oder Schluckbeschwerden
* Reizbarkeit
* Einschlafstörungen
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Früher nannte man diese Störung „Angstneurose“. Dieser Begriff wurde von Sigmund Freud geprägt, er zählte damals auch die Panikattacken dazu, die auch öfters in Kombination mit der generalisierten Angststörung auftreten.
Die Ängste sind an den meisten Tage vorhanden und dauern mindest sechs Monate an. Die Betroffenen haben ein Gefühl der Unkontrollierbarkeit ihrer Sorgen, obwohl ihnen klar ist, dass ihre Sorgen unbegründet sind.
Die meisten Befürchtungen drehen sich um die Gesundheit, das Wohlbefinden der Familie, die finanzielle Situation und die Arbeit. Diese ständigen Sorgen führen zu einer motorischen Anspannung und vegetativen Symptomen.
Die Ängste werden nicht durch bestimmte äußere Reize oder Situationen ausgelöst, können aber die innere Bereitschaft sich Sorgen zu machen aktivieren. Z.B. bei Neigung sich zu sorgen kann ein Artikel in den Medien über hohe Arbeitslosigkeit und einer Wirtschaftsflaute, die Ängste schüren.
Die Symptomatik wird oft mit einer Depression verwechselt. Bei vielen Betroffenen kann im Laufe der Zeit auch eine Depression dazu kommen als Folgezustand auf die ständigen Sorgen und Befürchtungen. Nicht selten greifen Betroffene zu Alkohol und Medikamente um die Symptome zu unterdrücken.
Wichtig ist die Symptome ernst zu nehmen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und dem Ursprung auf den Grund zu gehen.
Phobien:
Unter einer Phobie versteht man eine konkrete, sich zwanghaft auftretende Angst vor bestimmten Objekten oder Situationen.
Phobien unterteilt man in folgende Gruppen:
* Agoraphobie
* Soziale Phobie
* Spezifische Phobie
Agoraphobie:
Unter Agoraphobie versteht man Angst vor Situationen außerhalb seiner gewohnten Umgebung. Die Angst besteht vor allem darin, nicht flüchten zu können.
Symptome einer Agoraphobie sind:
* Angst vor Menschenmassen
* Angst vor öffentlichen Plätzen
* weite Entfernung von zu Hause
* Angst vor dem alleine Reisen
* Herzrasen, Herzklopfen
* Schweißausbrüche
* Zittern
* Atembeschwerden, Mundtrockenheit
* Beklemmungsgefühl
* Übelkeit
* Schwindelgefühl, Unsicherheit
Für die Betroffenen bedeutet das eine enorme emotionale Belastung und Situationen, die Angst auslösen, werden vermieden. Sie wissen, dass ihre Reaktion übertrieben und unvernünftig ist, können die Angst aber nicht kontrollieren.
Das zentrale Gefühl der Agoraphobie ist „in der Falle zu sitzen“, die Angst einem wildfremden Menschen ausgeliefert zu sein. Die Betroffenen leiden an einer mangelnde Kontrolle der Situation. Die Angst körperliche und psychische Symptome nicht kontrollieren zu können, dahinter steht die Angst vor dem eigenen Körper. Sie fürchten die Kontrolle über den Körper zu verlieren und plötzlich ohnmächtig zu werden und hilflos liegen zu bleiben.
Für Betroffene ist es unerträglich sich in einem öffentlichen Ort, besonders wenn er überfüllt ist aufzuhalten wie z.B. Kaufhäuser, U-Bahnen, öffentliche Verkehrsmittel, Lifte, Flugzeuge, Schiffe, Kinos, in einer Schlange stehen etc.
Das Vermeidungsverhalten kann zu einem totalen Rückzug in die eigene Wohnung führen, aber auch hier kann das Gefühl der Sicherheit verloren gehen, durch die Angst vor dem allein sein, da einem niemand beschützt.
Es gibt jedoch gewisse Sicherheiten, die Angst etwas reduzieren können, da die Auslöser für die Agoraphobie in der Entfernung von „sicheren“ Orten und das Fehlen eines Fluchtweges besteht. So kann etwa die Anwesenheit einer anderen Person oder Haustieren, etwas zum Festhalten, das Wissen, dass in der Nähe ein Krankenhaus oder eine Arztpraxis ist, hilfreich sein.
Wie entsteht eine Agoraphobie?
An einem bisher neutralen Ort (z.B. Kino, Straßenbahn, Kaufhaus) tritt eine Angstsituation auf, dieser ist meist eine längere psychosoziale Belastungssituation vorausgegangen. Durch die Erfahrung, dass durch das verlassen des angstauslösenden Ortes die Symptomatik verschwunden ist, wird der Ort in Zukunft gemieden.
Wenn die Angst nicht behandelt wird, wird in Zukunft eine ähnliche Situation „zur Sicherheit“ gemieden – dies bedeutet eine zunehmende Generalisierung der angstauslösenden Orte. Außerdem werden „Sicherheitsanker“ wie z.B. andere Personen, ein Hund, Suchtmittel etc. eingesetzt, die einem Vertrauen geben, die letztendlich aber die eigene Bewegungsfreiheit und Handlungsmöglichkeiten einschränken, da man ja immer auf Jemanden oder Etwas angewiesen ist.
Die Betroffenen fürchten sich nicht direkt vor einem bestimmten Ort oder einer Situation, sondern dass ihnen dort etwas passieren könnte, sie dann der Situation allein und schutzlos ausgeliefert wären. Man ist ständig auf der Suche nach Sicherheit und spiegelt eine gestörte Balance zwischen subjektiv empfundener Gefahr und Sicherheit wider.
Ersichtlich wird diese Thematik aus der Lebensgeschichte der Betroffenen, denn der Angst vorausgehend findet man häufig ein sehr einschneidendes Erlebnis wie z.B. Tod oder schwere Erkrankung einer nahe stehenden Person, Ehekrisen, Trennung, Fehlgeburt, Konkurs, finanzielle Notlage, Enttäuschung etc.
Das heißt, dass in der Agoraphobie
traumatische Erlebnisse aus früherer Zeit (z.B. Scheidung der Eltern) in gegenwärtigen Situationen (z.B. Ehekrise) wieder gefürchtet werden.
Ziel ist es, das Durchleben und Bewältigen lernen der Ängste und Sicherheitsgefühl des Betroffenen wieder aufzubauen.
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Soziale Phobie (krankhafte Schüchternheit, krankhaftes Lampenfieber):
Die soziale Phobie ist eine anhaltende, starke Angst vor Situationen, in denen der Betroffene im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, oder sich peinlich verhalten könnte und tritt häufig in Verbindung mit niedrigem Selbstwertgefühl und Angst vor Kritik auf.
Situationen, in denen Angst auftreten kann sind soziale Kontakte wie Essen, Sprechen in der Öffentlichkeit, Teilnahme an Gruppen, Partys, Klassenräume etc.
Symptome der sozialen Phobie treten auf, wenn Angst davor besteht:
* sich in Gegenwart anderer zu äußern
* in der Öffentlichkeit eine Rede zu halten
* Essen und Trinken mit anderen Personen
* Personen des anderen Geschlechts anzusprechen
* bei einem bestimmten Anlass öffentlich in Erscheinung treten
* Teilnahme an Gruppenaktivitäten
* telefonische Kontakte
* unter Beobachtung anderer schreiben, oder eine Unterschrift leisten
* bei der Arbeit beobachtet zu werden
* sportliche Betätigung, wenn andere zuschauen
* Teilnahme an Wettbewerben
* in einem Lokal in der Mitte sitzen
* Erstkontakte mit fremden Menschen
* Autoritätspersonen gegenüber zu stehen
Körperliche Reaktionen:
* Erröten
* Schwitzen
* Herzrasen,
* Herzklopfen
* Vermeiden von Blickkontakt
* Versagen der Stimme
* Übelkeit
* Harn- und Stuhldrang
Die soziale Phobie ist von der Furcht von anderen Menschen kritisch betrachtet zu werden, geprägt und führt schließlich dazu, dass soziale Situationen vermieden werden. Die Betroffenen wissen, dass ihre Angst übertrieben ist, können diese aber nicht kontrollieren.
Laut Statistiken leidet jeder Zehnte im Laufe des Lebens einmal an einer Sozialphobie, sie ist nach Alkoholmissbrauch und depressiven Krankheiten die dritthäufigste psychische Störung. Wenn sie nicht erfolgreich behandelt wird, kann sich daraus Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, Depressionen
und schwere Angststörungen entwickeln.
Die Betroffenen können sich vor den gleichen Situationen fürchten wie jemand der an Agoraphobie leidet, aber aus anderen Gründen, nämlich wegen der unerträglichen sozialen Beurteilung und Beachtung der eigenen Person. Ihre Gedanken kreisen sich ständig um Fragen wie „was denken die anderen über mich“, „ich könnte mich blamieren“ etc.
Kennzeichnend für eine soziale Phobie ist, dass die Betroffenen etwas alleine und ohne Angst ausführen können, was in Gegenwart anderer jedoch große Angst macht. Eine ausgeprägte Schüchternheit oder Zurückhaltung sind erste Anzeichen für eine soziale Phobie.
Nun leiden ja viele Menschen an Angst vor Auftritten, Prüfungen, dem Sprechen in der Öffentlichkeit etc., aber im Unterschied zum Phobiker stellt sich bei ihnen Erleichterung ein, wenn sie die Hürde gemeistert haben. Der Phobiker verspürt auch nach der Überwindung weiterhin Angst und macht sich Gedanken, wie er wohl auf die anderen gewirkt, welchen Eindruck er hinterlassen hat etc.
Kaum jemand ahnt, welche Kraft es für Betroffene kostet einen harmlosen, zwischenmenschlichen Kontakt, ein Gespräch, eine Menschenansammlung etc. durchzustehen. Droht sich die Aufmerksamkeit auf sie zu richten, auch nur im engsten Rahmen, überschwemmen sie die wildesten Ängste – „wie sehe ich aus“, „bin ich gut genug“, „werde ich akzeptiert“, „was soll ich sagen“ etc.
Menschen mit sozialer Phobie sind ihre eigenen, schlimmsten Kritiker und geben sich selbst nur die schlechtesten Noten und halten nicht viel von sich selbst. Sie glauben ihr Platz sei im Hintergrund und dies wird zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.
Ursachen einer sozialen Phobie:
Die soziale Phobie beginnt meist schleichend in der Kindheit oder Pubertät, bleibt konstant bestehen oder kann sich sogar noch verschlimmern.
Der Erziehungsstil der Eltern hat einen Einfluss auf die Entstehung einer Sozialphobie. Die Betroffenen sind meist in einer Umgebung aufgewachsen, in denen ein selbstsicheres und unabhängiges Verhalten nicht gefördert wurde. Sehr strenge Erziehung in der jede Übertretung der Regeln bestraft wurde und die ihre Kinder nie lobten.
Auch die Art der Bindung an die Eltern ist entscheidend, unsichere Kinder sind schüchterner als sicher gebundene. Unsichere Bindungen entstehen, wenn die Eltern dem Kind kein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit vermitteln, die Folge daraus ist ein geringes Selbstwertgefühl. Diese Prägungen führen dazu, dass sie sich auch in späteren Beziehungen unsicher und ungeliebt fühlen.
Oft kann auch ein traumatisches Erlebnis die Ursache sein und der Betroffene hat Angst dies wieder zu erleben.
Menschen mit sozialer Phobie möchten ständig einen guten Eindruck machen, bezweifeln aber permanent ihre Fähigkeiten, dies zu erreichen. Im Umgang mit anderen richten sie ihre Aufmerksamkeit auf sich selbst, beobachten sich selbst ständig aus Angst und Unsicherheit und wirken dann verkrampft. Durch das ständige Reflektieren und sich selbst beobachten geht die Spontaneität verloren.
Es wird versucht die angstauslösenden Situationen zu vermeiden, dies führt aber zu sozialem Rückzug und Isolation.
Folgende Muster sind beobachtbar:
* negatives Selbstbild („ich bin langweilig“)
* falsche Überzeugung zur sozialen Bewertung („wenn die anderen mich näher kennen würden, würden sie mich ablehnen“)
* überhöhte Maßstäbe für das soziale Verhalten („ich darf meine Angst nicht zeigen“)
* Die Betroffenen erleben sich als „gläserner Mensch“, fühlen sich total durchsichtig und durchschaubar für andere. Sie haben extrem perfektionistische Standards.
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Sozialphobien werden, wenn überhaupt, oft erst mit jahrelanger Verspätung diagnostiziert. Das liegt vor allem an der Wesensart dieses Leidens, da schüchterne Menschen auf keinen Fall auffallen wollen, auch beim Arzt nicht, am liebsten wären sie unsichtbar. Sie halten sich im Hintergrund, ergreifen selten das Wort und werden übersehen und damit bleibt auch das Ausmaß seines Leidens unerkannt und die Grenze zwischen Schüchternheit und Sozialphobie ist außerdem fließend.
"Bei der Überwindung von sozialen Phobien ist darauf zu achten, den Eigenwert zu steigern, ein stabiles Selbstbewusstsein aufzubauen, sich langsam an die angstauslösenden Situationen heranzutasten und ein realistisches Selbstbild zu erlangen"
Spezifische Phobie:
Die spezifische Phobie ist die Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer bestimmten Situation. Diese Ängste sind weit verbreitet, als krankhaft werden sie erst dann eingestuft, wenn sie den Tagesablauf, die Beziehungen oder Aktivitäten beeinflussen und somit Leid erzeugen.
Typische Formen sind:
* Angst vor Tieren (Spinnen, Hunde, Schlangen etc.)
* Höhenangst
* Flugangst
* Angst vor Blut
* Angst vor geschlossenen Räumen
* Angst vor Ansteckung
* Angst vorm Krankenhaus
* Angst vorm Zahnarzt
* Angst vor Dunkelheit
* etc.
Es besteht eine emotionale Belastung durch die Symptome oder das Vermeidungsverhalten und die Betroffenen wissen, dass die Reaktion übertrieben ist, können aber die Angst nicht kontrollieren.
Bestimmte spezifische Phobien schränken das Leben nur in geringfügigem Maße ein, sodass man gut damit leben kann, weil die auslösenden Reize (Schlangen, Flugangst) nur selten auftreten.
Oft rühren spezifische Phobien aus der Kindheit, damals wurden Objekte oder Situationen falsch eingeschätzt, oder es gab traumatische Erlebnisse wie z.B. Hundebiss, schmerzhafter Zahnarztbesuch, Bienenstich etc.
Es ist zwar vernünftig - aus Angst aus einem hohen Gebäude zu fallen - sich nicht aus dem Fenster zu lehnen. Aber eine Störung liegt dann vor, wenn jemand z.B. eine Job deshalb ablehnt, weil er im 10. Stock arbeiten müsste.
Spezifische Phobien sind sehr weit verbreitet, vor allem die Tier- und Höhenphobien. Sie können eine gelegentliche Belästigung darstellen, aber in extremeren Ausprägungen das Leben der Betroffenen beeinträchtigen.
Jedes Objekt oder jede Situation kann ein Auslöser für eine Phobie werden und jede trägt einen eigenen Namen, die Liste der Phobien ist lang, so heißt z.B. die Angst vor der Farbe Gelb „Xanthophobie“, oder die Angst Deutschland und die Kultur dieses Landes „Teutophobie“.
Körperliche und seelische Symptome sind
* Herzklopfen
* Schwächegefühl
* Zittern
* Atembeschwerden
* Mundtrockenheit
* Angst vor dem Sterben
* Angst davor, verrückt zu werden
Ursachen einer spezifischen Phobie:
Leiden Eltern unter Ängsten, ist davon auszugehen, dass Kinder von gleichen oder ähnlichen Leiden betroffen sind Das familiäre Umfeld hat großen Einfluss auf die psychische Gesundheit des Kindes und auf die Ausprägung bestimmter Störungen. Fast jedes zehnte Schulkind leidet unter einer Angststörung.
Wenn Eltern versuchen alle möglichen Gefahren und Angst auslösenden Situationen vom Kind fernzuhalten, verhindern sie, dass Kinder mit Ängsten umgehen und diese bewältigen lernen.
Folgende familiäre Rahmenbedingungen können Angststörungen begünstigen:
* Psychische Störungen innerhalb der Familie
* Depressive Störungen
* Ängstlichkeit und Vermeidungsverhalten
* Überbehütung
* Isolierte Familie
Die meisten Situationen, in denen Menschen Ängste verspüren, werden im Laufe des Lebens erlernt. Somit ist auch die spezifische Phobie eine angelernte Reaktion. Wird eine Situation plötzlich angstvoll erlebt, z.B. ein Hundebiss, verankert sich im Gehirn das Gefühl, dass Hunde gefährlich sind und man sie besser meidet. Das Problem wird durch die Vermeidung jedoch nicht gelöst und die erworbene Konditionierung nicht außer Kraft gesetzt.
Es ist notwendig sich dem Thema zu stellen, sich damit auseinanderzusetzen zum Ursprung der Angst auslösenden Situation zurückzugehen, sie nochmals zu durchleben, um sie dann loslassen zu können.










