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Bild: Piero Moliniari


Essstörungen:


Essstörungen sind in den letzten Jahren zunehmend in das Blickfeld der Öffentlichkeit getreten. Essstörungen sind hauptsächlich in den westlichen Industrieländern anzutreffen, die durch Nahrungsmittelüberfluss, starke Konsumorientierung und die Hinwendung zu einem genormten Körperbild geprägt sind. Hier ist der Einfluss der Medien und vor allem der Werbung nicht zu leugnen. Essstörungen können beide Geschlechter treffen, aber sie treten nach wie vor häufiger bei Frauen auf.

Menschen mit Essstörungen verfügen über ein negatives Körperbewusstsein. Der Selbstwert und das Verhältnis zum Körper beeinflussen sich gegenseitig, je nach momentaner Wahrnehmung. Menschen mit Essstörungen machen ihre Identität stark von ihrer eigenen Attraktivität abhängig.

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Magersucht (Anorexia nervosa)

Magersucht beginnt meist in der Pubertät und oft wird sie durch ein Ereignis ausgelöst, dass der Betroffenen das Gefühl gibt zu „fett“ zu sein, wobei die wenigsten Übergewicht haben. Bei Mädchen steht dahinter auch die Angst vor dem Erwachsen werden, sie bemerken die Veränderungen im Körper, die runderen Körperformen und versuchen diese wieder „wegzuhungern“.

Bei Magersucht geht es auch um Kontrolle, um die Kontrolle über das Hungergefühl, ständige Kontrolle des Gewichts, Kontrolle über den Körper und das verleiht Macht und Selbstbeherrschung. Viele sehen aber auch eine Möglichkeit darin Aufmerksamkeit und Zuwendung zu erhalten – ein Schrei nach Liebe.

Phasen der Erschöpfung, Müdigkeit und Schmerzen werden nicht mehr wahrgenommen oder uminterpretiert. Durch das Hungern werden auch die Sinneswahrnehmungen verschärft, dies wird am Anfang als angenehm empfunden, aber später als störend (die Geräusche des Tages werden bald als unerträglich empfunden). Auch ist ein Verlust des Zeit- und Realitätssinns festzustellen, da sich die Gedanken ständig um Essen drehen.

Betroffen sind überwiegend Mädchen, oft stammen sie aus der Mittel- und Oberschicht und stehen unter hohem Erwartungsdruck. Sie werden von den Eltern sehr gefördert (Ballettunterricht, Klavierstunden etc.) und glauben deshalb, dass sie ihren Eltern beweisen müssen, diese Privilegien zu verdienen.
Diese Mädchen bekamen keine Unterstützung darin, ihre eigenen Bedürfnisse zu äußern, oder selbstständig Entscheidungen zu treffen.

Magersüchtige sind hochgradig sensibel für die Bedürfnisse anderer und können sich gut mit Freunden, Verwandten etc. auseinandersetzen. Jedoch fällt es ihnen schwer, zu ihrer eigenen Gefühlswelt Zugang zu finden, deshalb ist es für Angehörige auch schwierig sie emotional zu erreichen.

Das Essverhalten beginnt sich bei Magersüchtigen allmählich zu ändern. Es werden häufig Mahlzeiten ausgelassen, nur mehr kleine Portionen zu sich genommen, oder man will nicht mehr in Gesellschaft anderer Leute essen. Möglicherweise kocht man gerne für Familie oder Freunde, isst dann aber nicht mit „man hat beim Essen schon so viel gekostet und keinen Hunger mehr“.

Es wird viel Zeit vor dem Spiegel verbracht, um die „Problemzonen“ zu betrachten. Die Betroffenen glauben zu „fett“ zu sein, obwohl ihnen ständig das Gegenteil gesagt wird. Außerdem wird viel Zeit in exzessiver körperlicher Betätigung investiert und es schleicht sich sofort ein schlechtes Gewissen ein, wenn die Routine einmal durchbrochen wird. Oft glauben die Betroffen nur dann Essen zu verdienen, wenn sie vorher hart trainiert haben.

Energetiker Herzenstrainer Graz


Woran erkennt man Magersucht?

* Verweigerung von Nahrungsaufnahme oder die Nahrungsaufnahme wird streng
kontrolliert
* Exzessive sportliche Betätigung
* Verwendung von Appetitzügler, Abführmittel, harntreibende Mittel
* Gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers, ständig das Gefühl zu dick zu sein,
obwohl das nicht der Fall ist
* Große Angst vor einer Gewichtszunahme, dieses Gefühl ist für die Betroffenen
unerträglich
* Hunger wird nicht mehr erlebt und unterdrückt
* Die Gedanken kreisen ständig ums Essen, um Kalorien und das Gewicht
* Fehlender Kontakt zum eigenen Körper und seinen Bedürfnissen
* Der Körper wird als Feind erlebt und bekämpft
* Die ständige Selbstkontrolle gibt ein Gefühl von Macht und Autonomie
* Übertriebene Sparsamkeit und extremer Reinlichkeitssinn, äußerst spartanische
Lebensweise
* Rückzugsverhalten
* Depressive Verstimmungen und Schwarz-Weiß-Denken
* Bevorzugt breiige Kost oder Babynahrung
* Animiert gerne andere zum Essen
* Ausbleiben der Monatsblutung
* Perfektionismus

Zu den körperlichen Folgeschäden zählen unter anderem:

Absinken des Stoffwechsels, des Pulses, des Blutdrucks und der Körpertemperatur, (das zu Müdigkeit, Verstopfung und erhöhtem Kälteempfinden führt)

Die inneren Organe wie z.B. Leber und Nieren werden dauerhaft geschädigt, dies bei längerfristigem Medikamentenmissbrauch noch verschlimmert. Knochen und Zähne werden angegriffen, die Muskelmasse wird abgebaut, der Elektr0lythaushalt des Körpers gerät aus dem Gleichgewicht und es können Herzrhythmusstörungen auftreten. Bei Frauen bleibt die Periode aus und bei Männern kommt es zu Impotenz.

Die seelischen Folgen sind z.B. ständiges Vergleichen mit anderen Menschen, starkes Kontrollbedürfnis, Schuldgefühle, wenn etwas schmeckt, Geiz, Selbsthass, Angst vor den eigenen Bedürfnissen, Zwänge (waschen, putzen), sozialer Rückzug, Depressionen.


Ess-Brechsucht (Bulimie):

Bulimie macht sich durch Fressanfälle bemerkbar, in denen die Betroffnen große Mengen an Nahrungsmitteln aufnehmen, die sie danach aber durch selbst induziertes Erbrechen ausscheiden. Während dieser Fressanfälle entsteht das Gefühl die Nahrungsaufnahme nicht mehr unter Kontrolle zu haben.

Die Gedanken der Betroffenen drehen sich ständig um das Gewicht und das Essen und aus Angst vor einer Gewichtszunahme nach einem aufgetretenen Fressanfall greifen sie regelmäßig zu Maßnahmen wie selbst induziertes Erbrechen, Abführmittel oder übermäßiger sportlicher Betätigung.

Menschen, die an Bulimie leiden finden sich selber als hässlich oder abstoßend und haben starke Selbstzweifel hinsichtlich ihres eigenen Wertes.

Im Gegensatz zur Magersucht, bei der sich die Betroffenen stark und selbstbeherrscht fühlen, da sie ihr Essverhalten kontrollieren können, haben Bulimiekranke das Gefühl die Kontrolle verloren und versagt zu haben. Daraus resultieren Schuldgefühle und Scham, die aber nicht nach außen getragen, sondern sie versuchen Normalität vorzutäuschen. Die Betroffenen selbst sind sich jedoch bewusst, dass diese Normalität unecht ist und leben in ständiger Angst, dass dieser „Schwindel“ aufgedeckt wird.

Nach außen hin repräsentieren die Betroffenen oft ein Bild einer attraktiven, erfolgreichen und zupackenden Persönlichkeit, aber im inneren fühlen sie sich einsam und hungrig. Auch kann es den Anschein haben, dass sie realistisch mit ihren Bedürfnissen umgehen und diese auch äußern können, aber sie selbst fühlen sich, als seien ihre Bedürfnisse zu gewaltig um je erfüllt zu werden.

Krankheitsanzeichen:

* Fressanfälle, meist abends oder nachts
* Selbstinduziertes Erbrechen nach dem Essen
* Gebrauch von Abführmittel, Appetitzüglern, harntreibende Mittel
* Diäten und Fastensoziale Isolation
* unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation



Esssucht, Fettleibigkeit (Adipositas):

Bei Adipositas wird das Normalgewicht um etwa 20 bis 30 % überschritten. Bei den meisten Übergewichtigen hat das Essen die Funktion, Probleme, die als unlösbar erscheinen, auf diese Art zu bewältigen. Untersuchungen haben auch ergeben, dass Betroffene zu depressiven Verstimmungen tendieren.

Negative Gefühle wie Ärger, Trauer, Frust, Einsamkeit etc. sind Auslöser für Fressattacken, da Essen im allgemeinen mit positiven Gefühlen in Verbindung gebracht wird, versucht man die negativen Gefühle damit zu kompensieren. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit emotionalen Schwierigkeiten unfähig sind, Hunger von anderen unangenehmen Gefühlen zu unterscheiden.

Beim zwanghaften Essen kann man sich das was man sich einverleibt nicht zu eigen machen. Die Betroffenen verschlingen alles schnell, aber ohne zu genießen und mit schlechtem Gewissen. Zurück bleibt ein Gefühl, dass es nicht genug war. Oft wird die Erfahrung gemacht, dass, wenn sie mit Genuss und bewusst essen, sich eher ein Gefühl von Sättigung einstellt.

Der Hunger von Esssüchtigen symbolisiert einen „Hunger“ der auf anderer Ebene liegt und mit Nahrungsmitteln nicht zu stillen ist und man somit ständig das Gefühl hat, "nicht satt zu werden."

Für viele Esssüchtige ist das Essen eine mit Schuld beladene Handlung, es dreht sich bei ihnen alles um Essen oder Nicht-Essen und doch essen sie zu allen möglichen Tages- und sogar Nachtzeiten, jedoch gegenüber Außenstehenden sind sie beim Essen zurückhaltend und kalorienbewusst. Eine Esssucht ist nicht leicht in den Griff zu bekommen, da das Essen eine magische Anziehungskraft auf den Betroffenen ausübt, die nicht abgestellt werden kann.


Folgeschäden:

*
Mangelerscheinung durch einseitige Ernährung – zu fett, zu süßerhöhter
Blutdruckerhöhte Cholesterinwerte
* Erkrankungen der Gallenblase
* Herzerkrankungen
* Übergewicht ist eine zusätzliche Belastung für die Gelenke
* Rückzug aus der Öffentlichkeit – Isolation, Einsamkeit

Für die Gesellschaft mag es unlogisch klingen, da Dicksein negativ bewertet ist, aber viel möchten unbewusst dick sein, da es für sie einen Zweck erfüllt wie z.B:

* die Fettschicht liefert einen Art Schutzpanzer
* mit der Körperfülle wird man nicht mehr übersehen, sie kann als Entschuldigung für Misserfolge dienen
* sie verleiht Stärke und Autoritätum
* nicht als sexuelles Wesen wahrgenommen zu werden (z.B. nach
Missbrauchserfahrungen)
* Widerstand gegen das allgemeingültige vorherrschende Schönheitsideal
* um nicht mit anderen konkurrieren zu müssen

Die Fettschicht kann auch den Speicher für alte Verletzungen, Ängste, Ärger, all die nicht gelebten Bedürfnisse symbolisieren.

Der erste Schritt um diese Sucht in den Griff zu bekommen besteht darin, herauszufinden welche Funktion das Dicksein für den Betroffenen erfüllt und erst dann kann eine Änderung erfolgen.

Somit wird klar, dass Esssucht nicht – wie vielfach angenommen – eine Folge von zu schwacher Willensstärke oder Hemmungslosigkeit ist, sondern ein Versuch einen inneren Konflikt zu bewältigen.

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